Lost: Der Beginn des letzen Kapitels

Am Dienstag lief in den USA die sechste und damit letzte Staffel von Lost an. Die Geschichte setzt dort an, wo das Seasonfinale endete. Eine schwer verletze Juliet löst mit letzter Kraft die Detonation der Bombe aus, die alles bisher geschehene ungeschehen machen soll. Und so sehen wir in der nächsten Szene Jack im Flugzeug bevor dem Absturz. Es gibt Turbulenzen. Rose beruhigt ihn (hier schon ein Hinweis, dass nicht alles wie vorher ist: denn in der ersten Folge der ersten Staffel ist es Jack, der Rose beruhigt). Nach einer weiteren stärkeren Turbulenz passiert … nichts. Der Flug der Oceanic 815 stürzt nicht auf der Insel ab. Vielmehr sehen wir die Insel im Meer begraben. Mit dem typischen Augen-Motiv wird uns dann Kate gezeigt, die überrascht auf einem Baum erwacht. Ihr Gehör ist voller Rauschen von der Explosion. Wir sind zurück auf der Insel. Hm, war nicht gerade alles gut, und wir sind nicht abgestürzt? Ah, Jack und Sawyer sind auch da. Und wann sind wir jetzt? Okay, die Swan Station zerstört. Wir sind zurück im Jahr 2007. Und es sieht nicht gut aus. Nicht für Juliet und Sayid. Beide kämpfen schwer verletzt um ihr Leben. Zurück im Flugzeug begegnen wir einer verhafteten Kate, einem stets vom Glück verfolgten Hugo und einem charmanten Sawyer. Der Zustand von Sayid wird immer kritischer. Endlich wiedervereint scheinen Jin und Sun im Flugzeug gefangen in einer unglücklichen Ehe, deren Gegenteil sich in Rose und Bernard wiederspiegelt. Locke und Boone unterhalten sich über ihren Australienaufenthalt. Zurück bei der Statue mit den vier Zehen finden wir einen konfusen Ben wieder, der versucht zwischen Locke und Richard zu vermitteln. Als Richard Ben, den Leichnam Lockes zeigt, ahnt er schlimmes. Wer oder was ist John Locke? Beim Swan versuchen Jack und der Rest Juliet aus den Trümmern zu befreien, während Hurley einen Auftrag vom toten Jacob aufgetragen bekommt. Auch auf dem Flug der Oceanic wird es kritisch. Jack rettet Charly, der einen Drogenbeutel verschluckt hatte. Während Charlie gerettet wird, stirbt Juliet auf der Insel. Bei einer Konfrontation mit Locke stirbt ein großer Teil der Gruppe, die Jacob beauftragt hatte, auf die Insel zu kommen. John Locke, oder wer er auch immer ist, ist das Schwarze Monster. Das Flugzeug landet sicher in Los Angeles. Bei dem Versuch, Sayid zu retten, werden die Losties von einer Gruppe gefangen genommen und zu einem versteckten Tempel geführt. In Los Angeles kann Kate dem U.S. Marshall entkommen, Jack findet heraus, dass der Leichnam seines Vaters der Fluggesellschaft abhanden gekommen ist. Durch Milos Hilfe erfährt Sawyer die letzten Worte Juliets: „It worked“. Als den Entführten droht erschossen zu werden, erklärt Hurley, dass Jacob ihn geschickt und ihm den Gitarrenkoffer gegeben habe. Als der Führer der Gruppe den Koffer öffnet, befindet sich dort ein großes Ankh. Dieses zerbricht er und findet eine Notiz von Jacob. Eine Liste mit Namen (da klingelt was). Nun wollen sie Sayid helfen. In Los Angeles gerät Jin in Schwierigkeiten, da er nicht erklären kann, aus welchen Gründen er eine Uhr und so viel Geld bei sich trägt. Im Tempel wird Sayid so lange in eine Wasserquelle getaucht, bis die Sanduhr abgelaufen ist. Zuvor gewarnt, dass es Risiken hat, stirbt Sayid. Bei ihrer Flucht vom Flughafen begegnet Kate Claire. Als Hurley im Tempel mitteilt, dass Jacob tot ist, bereiten sich die Tempelbewohner auf einen Angriff vor und schießen ein Signalfeuer in die Luft. Zurück am Strand erfahren wir Lockes/Schwarzes Monsters Absichten. Er/es möchte nach Hause. Am Flughafen begegnen sich Locke und Jack. John gibt Jack Trost, dafür ihm Jack seine Karte für ein medizinisches Gespräch. Richard, von dem Signalfeuer alarmiert, erkennt, wer John Locke wirklich ist. Daraufhin wird er von ihm niedergeschlagen und weggetragen. Im Tempel erwacht gegen alle Erwartungen Sayid zu neuem Leben.

Das nenn ich mal einen Staffelauftakt. Und am meisten beeindruckt hat mich die schauspielerische Leistung von Terry O’Quinn. Die Augen haben mir eine Gänsehaut bereitet. Wieder einmal führen die Lostmacher eine neue Erzählstruktur ein. Nach den Flashbacks und Flashforwards der letzen Staffeln macht es nur Sinn, eine Erzähllinie zu wählen, die von der Zeit losgelöst ist. Wir befinden uns in diesen Flashs weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft, es scheint eine Art Paralleluniversum zu sein. Und da das Thema Tod und Leben so zentral in dieser Doppelfolge angesprochen wurde, könnte man vermuten, dass diese neue Erzähllinie vielleicht das Leben nach dem Tod darstellt. Nehmen wir an, Jack würde sterben, würde seine Seele in eben die Gestalt von Jack, der sicher am Flughafen von Los Angeles gelandet ist, übertragen. Mich reizt diese Idee aus einem Grund. Falls diese Theorie (und es ist nur eine Theorie von vielen, wie so üblich bei Lost) wahr ist, bleibt die Frage offen, ob eben diese beiden Welten einen Einfluss aufeinander haben. Wirkt sich das Verhalten der Losties auf der Insel auf das Leben in der anderen Storylinie aus? Es ist dieselbe Frage, ob sich mein Verhalten auf dieser Erde darauf auswirkt, ob ich (jetzt ganz platt gesagt) in den Himmel oder in die Hölle komme.

Die andere große Frage, die mir den Kopf zermartert ist: Wer oder was sind Jacob und John Locke. Irgendwie hat mich die ganze Situation an das Vorspiel von Faust I erinnert, wo Gott und Mephistopheles die Wette eingehen, ob Faust vom Teufel verführt werden kann. Jacob unterhält sich im Staffelfinale mit einem Mann in schwarzer Kleidung. Und beide haben unterschiedliche Erwartungen in die Menschen. Das negative Menschenbild wird durch die Aussage „They come. They fight. They destroy. They corrupt. It always ends the same way.“ ausgedrückt. Jacob scheint nicht dieser Meinung zu sein. Es muss nur einmal nicht nach diesem System laufen, dann zählt alles, was davor passiert ist als Entwicklung zu diesem einen Punkt. Aber neben dieser Auseinandersetzung zwischen Jacob und dem Mann in der schwarzen Kleidung scheint dieser eine ganz eigene Agenda zu haben, nämlich nach Hause zu kommen. „I want the one thing John Locke didn’t. I want to go home.“ Hier wurde ich stark an das Motiv des gefallen Engels erinnert, der aus seiner Heimat in die Tiefe gestürzt wurde. Wenn Jacob und er Wesen der Metaphysik sind, wo kommen sie her? Und vor allem gibt es eine Instanz über ihnen? Wo stehen sie in der Hierarchie in dieser Welt? Ich kann es kaum erwarten, wie die Geschichte weitergeht.

Advertisements
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: