Ich hab das was verloren…

Hab vor ungefähr einem Monat in der Welt am Sonntag einen Beitrag von einer Schriftstellerin gelesen, die sich darüber auslässt, wie sehr die Medien uns ein ganz bestimmtes Verständnis von Liebe aufdrängen. An den Namen der Autorin kann ich mich leider nicht mehr erinnern, aber was sie geschrieben hat, hat mir zu denken gegeben. Vor allem weil ich überrascht war, dass ich ihr so ziemlich zustimme. Ich mein, gucken wir uns vor allem Film und Fernsehen an. Was wird uns da liebestechnich geboten? Brennen muss es. Man muss sich nacheinander verzehren. Und zwar bis der Tod einen scheidet. Und im Idealfall geht dem Happy-Ending eine Geschichte voller Verwirrungen und Dramen vorweg. Ich als Hobbyautor kenne das. Kein Mensch will eine Geschichte präsentiert bekommen, in der sich zwei Leute treffen, sich mögen, miteinander ausgehen, nach fünf Jahren heiraten und Kinder kriegen, und das alles ohne irgendwelche Komplikationen. Und mit Komplikationen meine ich nicht den Streit über die richtige Farbe der neuen Ikeaküche oder wer denn jetzt kurz vor Ladenschluss noch die vergessene Sahne im Supermarkt holt. Nein, man braucht eine intrigante Schwiegermutter oder einen mächtigen Nebenbuhler oder von mir aus auch ein zehntausendköpfiges Orkheer. Ist ja auch egal. Was zählt, umso breiter die Kluft, desto größer die Flügel der Liebe. Denn am Ende finden sich die, die füreinander bestimmt sind. Und wer freut sich nicht mit den Helden und träumt im Heimlichen, selbst eine leidenschaftliche, alles überwindende Liebe zu finden? Ich sag nur Vivian Ward und Edward Lewis, Baby und Johnny, Betty und Rita (na ja, das zählt nicht, ist aber trotzdem mein Lynch’sches Traumpaar). Ich glaube, dass das damit zusammen hängt, da uns diese Geschichten an unsere erste große Liebe erinnern. Oh ja, die erste große Liebe. Die vergisst niemand. Die brennt sich ein. Das Besondere an ihr ist, dass sie so naiv ist. Ich erinnere mich noch genau daran. Man denkt wirklich, entweder diese eine Person oder gar keine. Man ist davon überzeugt, dass man ohne diese Liebe nicht leben kann. Einen Tag ohne sie und man fällt in tiefe Depressionen. Allein die Erwähnung ihres Namens, selbst wenn gar nicht die angehimmelte Person gemeint ist, katapultiert uns in Galaxien, die selbst die Enterprise nicht finden kann. Wenn sie den Raum betritt, muss man fast vor Aufregung kotzen, und man schwitzt mehr als Reiner Calmund nach einem Marathonlauf. Und wenn ich heute zurück schaue, vermisse ich besonders eine Sache. Diese bedingungslose Liebe. Ich habe nichts erwartet. Egal was war, meine Liebe konnte durch nichts erschüttert werden. Ich hätte alles für sie getan. Eine Niere gespendet, ein Auto geklaut, die Hausaufgaben einfach nicht gemacht. Und dann wird man plötzlich älter und alles ändert sich. Nix mehr mit bedingungslos. Und es hat den Anschein, dass sich die Erwartungen an den Partner mit dem Alter potenzieren. Das hat jetzt eigentlich wirklich nicht mehr viel mit dem Artikel zu tun. Ich bin ja so was vom Kurs abgekommen. Wollte nach Bremen und bin in München gelandet. Ist ja auch egal. Wichtig ist, dass mir beim Lesen des Artikels aufgefallen ist, dass ich diese Bedingungslosigkeit und diese Naivität auf meinem Weg verloren habe. Und auch wenn ich der Autorin zustimme, dass wir nicht nur auf Leidenschaft und brennendes Feuer zählen sollten, die uns so oft in den Medien suggeriert werden, und dass wir uns eingestehen sollten, dass Liebe auch langweilig sein darf, weil sie ein gutes Mittel zum Zweck ist, unser Inseldasein zu minimieren, verlange ich doch meine bedingungslose Liebe zurück. Ich hab sie verloren, dass heißt aber nicht, dass ich sie nicht wieder finden kann.

Denkt mal drüber nach!

Noxmel

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